Leipziger Osterfladen

Inhalt
- Wie der Leipziger Osterfladen bei uns auf dem Tisch gelandet ist
- Mürbeteig: meine kleine Geduldsprobe (mit Butterflöckchen)
- Die Füllung: Quark, Zitrone und ein Hauch Arrak – riecht sofort nach Festtag
- Backofen an, Zucker drüber – und dann bitte alle kurz Geduld haben
- Mein Eindruck: ein Kuchen wie ein ruhiger Feiertag
- Leipziger Osterfladen
Der Moment, wenn ich im Supermarkt vor den Korinthen stehe und kurz überlege, ob ich jetzt offiziell in das Alter rutsche, in dem man „Korinthen“ nicht nur kennt, sondern auch freiwillig kauft … na ja: willkommen, Claudia, 45. Aber ganz ehrlich: Für einen Leipziger Osterfladen mache ich das gern – der ist so herrlich altmodisch, cremig und duftet nach Zitrone, Butter und ein bisschen „Ostern bei Oma“, selbst wenn Oma bei uns eher aus dem Ruhrpott kam und Ostern früher mehr nach Hefezopf als nach Sachsen schmeckte.
Wie der Leipziger Osterfladen bei uns auf dem Tisch gelandet ist
Ich wohne ja seit über 20 Jahren hier unten in Südbayern, wo man zu Ostern gefühlt alles einmal durch die Küche schickt: Eier, Schinken, Kren, irgendein Striezel – und jedes Dorf hat nochmal seine eigene Wahrheit dazu. Und dann komme ich mit einem Leipziger Osterfladen um die Ecke.
Thomas hat erst geguckt wie bei einer neuen Software-Version („Was kann das? Braucht man das?“), Lena fand’s „eigentlich ganz okay“ (Teenager-Kompliment, nehme ich!) und Jonas war sofort Team „Kuchen mit Zucker obendrauf“. Das ist sowieso die zuverlässigsten Kategorie in unserem Haushalt.
Was ich am Osterfladen mag: Der tut nicht so, als wäre er fancy. Der ist einfach ein solider, festlicher Quarkkuchen mit Mürbeteigboden – aber mit diesem kleinen Twist aus Korinthen, Mandeln und Arrak. Und ja, Arrak klingt ein bisschen nach „Ostern in der Hausbar“, macht aber genau diese warme, besondere Note.
Mürbeteig: meine kleine Geduldsprobe (mit Butterflöckchen)
Mürbeteig ist bei mir so ein Klassiker, der gleichzeitig easy und zickig sein kann. Easy, weil die Zutaten überschaubar sind. Zickig, weil er sofort beleidigt ist, wenn man ihn zu lange knetet oder wenn alles zu warm wird.
Ich mache es wie im Rezept: Mehl (Typ 405) mit Salz sieben, Mulde rein, Ei, Zucker, Vanillezucker dazu – und die Butter wirklich in Flöckchen auf den Rand. Dann hacke ich das Ganze erst mit dem Messer krümelig. Das ist so ein Schritt, der altmodisch wirkt, aber erstaunlich gut funktioniert. Danach nur noch kurz mit kühlen Händen zusammenkneten, bis ein glatter Teig draus wird.
Und dann: ab in Folie, ab in den Kühlschrank. Eine Stunde. Das ist die Phase, in der ich meist noch schnell irgendwas „nebenbei“ mache (Marketing-Projektplan, Wäsche, irgendwer sucht ein Ladekabel) und plötzlich ist die Stunde wie weggezaubert. Praktisch.
Die Füllung: Quark, Zitrone und ein Hauch Arrak – riecht sofort nach Festtag
Während der Teig ruht, ist Füllungszeit. Korinthen waschen, trocknen – ich breite die auf Küchenkrepp aus und tue so, als wäre ich sehr organisiert. Mandeln fein hacken oder durch die Mühle drehen.
Dann kommt der Teil, der richtig nach „Kuchen wird gut“ aussieht: Eigelb mit Zucker schaumig rühren. Da wird’s hell und cremig, und spätestens dann stehen bei uns die ersten Leute in der Küche und fragen, wann der Kuchen fertig ist.
In die Eigelbmasse kommen:
– zerlassene Butter
– Zitronenschale (unbehandelt, ganz wichtig)
– Arrak (2 EL – klingt wenig, merkt man aber)
– Sahne
Und am Schluss werden Korinthen, Mandeln und Sahnequark untergehoben/eingerührt. Die Masse ist schön üppig, nicht zu flüssig, und ich könnte jedes Mal kurz mit dem Löffel probieren. Rein aus Qualitätsgründen natürlich.
Backofen an, Zucker drüber – und dann bitte alle kurz Geduld haben
Den Mürbeteig rolle ich auf bemehlter Arbeitsfläche aus und lege damit die gefettete runde Form aus, mit Rand. Wenn der Rand nicht perfekt wird: geschenkt. Der Kuchen schmeckt nicht nach Geodreieck.
Quarkmasse rein, glattstreichen. Dann das Eigelb verquirlen und über die Oberfläche träufeln. Das gibt später diesen schönen, leicht glänzenden Look.
Gebacken wird bei ca. 175 °C auf mittlerer Schiene, ungefähr eine Stunde. Bei uns ist das immer der Zeitpunkt, wo der Duft durchs Haus zieht und plötzlich alle „nur mal kurz“ in die Küche kommen. Jonas am liebsten alle fünf Minuten.
Wichtig (und ein bisschen gemein, weil es so gut riecht): Der Osterfladen wird noch heiß mit Zucker bestreut. Dann etwas abkühlen lassen, aus der Form nehmen und auf dem Gitter ganz auskühlen lassen. Wobei „ganz“ in einer Familie ein dehnbarer Begriff ist.
Mein Eindruck: ein Kuchen wie ein ruhiger Feiertag
Der Leipziger Osterfladen ist für mich so ein Kuchen, der nicht laut sein muss. Der ist cremig, buttrig, zitronig – und durch Korinthen und Mandeln hat er Biss und Charakter. Nichts für „superleicht“, aber definitiv was für „wir setzen uns jetzt hin, trinken Kaffee und lassen den Tag mal kurz Tag sein“.
Und falls du auch so jemanden zu Hause hast, der bei Korinthen skeptisch wird: Einfach sagen, das gehört traditionell so. Tradition hat bei Kuchen erstaunlich viel Durchsetzungskraft.
Leipziger Osterfladen
Zutaten
- Für den Teig:
- 250 g. Mehl Typ 405,
- 1 Prise Salz
- 1 Ei
- 75 g Zucker
- 1 Pk. Vanillezucker
- 125 g Butter
- Für die Füllung:
- 100 g Korinthen
- 50 g Mandeln abgezogen,
- 4 Eigelb
- 100 g Zucker
- 50 g Butter zerlassen
- 1 Unbeh. abgeriebene Schale Zitrone
- 2 El. Arrak
- 1/8 l Sahne
- 500 g SahnequarkZum beträufeln und bestreuen:
- 1 Eigelb
- 2 El. Zucker
Und so wird's gemacht:
- Mehl mit Salz auf eine Arbeitsfläche sieben. In die Mitte eine Mulde drücken und das Ei, Zucker und Vanillezucker hineingeben. Butter in Flöckchen auf den Mehlrand geben. Alles mit einem Messer krümelig hacken, dann mit kühlen Händen zu einem glatten Mürbteig kneten. Teig in Folie wickeln und eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
- Die Korinthen waschen und auf Küchenkrepp trocknen.
- Mandeln durch die Mandelmühle drehen oder mit dem Messer fein hacken. Eigelb mit Zucker schaumig rühren, zerlassene Butter, Zitronenschale, Arrak und Sahne hinzufügen. Korinthen, Mandeln und Sahnequark in die Schaummasse einarbeiten.
- Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben und den Mürbeteig darauf ausrollen. Eine runde Kuchenform einfetten. Die Form mit der Teigplatte auslegen, dabei einen Rand formen. Die Quarkmasse einfüllen, die Oberfläche glattstreichen. Eigelb verquirlen und über die Quarkfüllung träufeln.
- Den Kuchen auf der mittleren Schiene bei ca. 175°C ca. 1 Stunde backen. Osterfladen noch heiß mit Zucker bestreuen, etwas abkühlen lassen, dann aus der Form nehmen und auf einem Kuchengitter erkalten lassen
Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.
