Hase im Topf (Dippehas)

Hase im Topf (Dippehas)

Neulich hat Thomas beim Abendessen so ganz nebenbei gefragt, ob wir „mal wieder was Deftiges wie früher“ machen. Und ich so: „Klar, wie früher im Ruhrgebiet oder wie früher bei dir mit bayerischer Ordnung im Topf?“ Am Ende bin ich über ein hessisches Gericht gestolpert, das schon vom Namen her klingt, als würde man dabei automatisch lauter sprechen: Hase im Topf, Dippehas. Das ist nichts für nebenbei – das ist so ein Essen, das den ganzen Tag ein bisschen wichtiger macht.


Warum der Dippehas bei mir sofort Heimat-Gefühle auslöst (obwohl er aus Hessen kommt)

Ich lebe jetzt seit über 20 Jahren in Bayern, aber mein inneres Ruhrpott-Ich hat bei Schmorgerichten immer noch so ein kleines Leuchten in den Augen. Topf auf, Duft raus, alle kommen „nur mal kurz gucken“ – und plötzlich steht die ganze Familie in der Küche. Dippehas ist genau so ein Kandidat: kräftig, würzig, ein bisschen altmodisch auf die beste Art.

Und Hessen passt da irgendwie perfekt dazwischen: nicht ganz Ruhrgebiet, nicht ganz Bayern, aber mit dieser bodenständigen „Wir machen’s ordentlich und es darf ruhig satt machen“-Mentalität. Mir sympathisch.

Hase, Schweinebauch und Spätburgunder: Das ist kein Diät-Plan, das ist ein Versprechen

Ein ganzer Hase und ein Kilo Schweinebauch – also wenn das auf dem Einkaufszettel steht, guckt die Kassiererin automatisch einmal kurz hoch. Ich hab’s ausprobiert. Der Schweinebauch bringt Saft und Wucht, der Hase eher dieses wildige, herzhafte Aroma. Zusammen ist das wie ein Teammeeting, in dem ausnahmsweise alle was beitragen.

Der Spätburgunder ist dabei nicht „nur so ein Schluck“. Der macht die Sauce rund und gibt Tiefe. Ich sag’s, wie’s ist: Wenn schon schmoren, dann mit Anstand. Und ja, ein bisschen Wein darf auch im Glas landen – ich nenne das Qualitätskontrolle.

Das Geheimnis mit Zwetschen, Brot und Lebkuchen (und warum das genial ist)

Als ich das das erste Mal gelesen habe – Zwetschen, trockenes Brot und dann auch noch Lebkuchen – war ich kurz skeptisch. Das klang nach „Oma hatte noch Reste und hat’s einfach reingeworfen“. Aber genau das ist ja oft die Magie bei solchen alten Rezepten.

Die dörre Zwetschen bringen eine dunkle, fruchtige Süße, die super zum Wild passt. Brot und Lebkuchen binden und geben Würze – so eine warme, leicht weihnachtliche Note, ohne dass es nach Dessert schmeckt. Das Ergebnis ist eine Sauce, die nicht dünn herumplätschert, sondern richtig am Fleisch hängt. Jonas hat später mit dem Löffel „nur mal die Sauce“ probiert. Mehrmals. Ich werte das als Erfolg.

Der Brotteig-Deckel: praktisch, rustikal und ein bisschen Show

Der Teil mit dem Brotteig ist mein persönlicher Favorit. Man rollt den Teig etwa 1,5 cm dick aus und legt ihn wie einen Deckel auf den Bräter. Das wirkt erst ein bisschen wie Bastelstunde, ist aber total logisch: Der Teig dichtet ab, hält die Feuchtigkeit im Topf und wird oben schön kräftig.

Wichtig ist nur: Bräter wirklich gut schließen. Ich hab einmal gedacht „passt schon“, und dann hat sich der Teig benommen wie Lena, wenn sie eine Tür „nur angelehnt“ lässt – alles offen, nichts so richtig dicht. Also: Deckel drauf, fertig.

  • Teig nicht zu dünn ausrollen, sonst reißt er leicht.
  • Wenn der Teig übersteht: einfach abschneiden oder nach innen drücken.
  • Nach den 90 Minuten bei 180°C kurz schauen, ob der Deckel zu dunkel wird – je nach Ofen kann das variieren.

So wird aus dem Sud eine Sauce, die alle still macht

Nach dem Garen kommt der Moment, wo man kurz Geduld braucht: Sud durchseihen, abschmecken und dann – wenn nötig – etwas eindicken. Ich mach das gern ganz klassisch, ohne Drama. Hauptsache, die Sauce wird sämig genug, dass sie auf dem Teller nicht wegläuft.

Und dann: servieren. Bei uns passt dazu alles, was Sauce liebt. Kartoffeln, Knödel, oder ganz pragmatisch: ordentlich Brot. Weil am Ende ist es ja ein „Dippehas“ – und ich finde, der Name verpflichtet ein bisschen dazu, die Sauce nicht zu verschwenden.

Wenn du sowas magst, sag ich dir: Plan das nicht für einen hektischen Dienstag zwischen Elternabend und Teams-Call. Das ist eher ein Gericht für „Wir sind heute mal zuhause und machen’s uns gut“. Und genau dafür ist es perfekt.

Hase Im Topf Dippehas

Hase im Topf (Dippehas)

Gericht Brot, Schmortopf
Küche Hessen
Portionen 4 -6 Portionen

Zutaten
  

  • 1 Hase
  • 1 kg Schweinebauch
  • Pfeffer
  • Salz
  • Schweineschmalz
  • 2 dicke Zwiebeln
  • dörre Zwetschen
  • etwas trockenes Brot
  • etwas Lebkuchen
  • 1 Lorbeerblatt
  • Wacholderbeeeren
  • Koriander
  • Pfefferkörner
  • Majoran
  • 1/2 l Spätburgunder
  • Brotteig

Und so wird's gemacht:
 

  • Den Hasen zerlegen und die Stücke mit Salz und Pfeffer einreiben. In Schweineschmalz anbraten. Die gewürfelten Zwiebeln, Zwetschen und die Gewürze dazugeben. Etwas Brot und Lebkuchen daranreiben und mit Spätburgunder aufgiessen.
  • Den Brotteig etwa 1,5 cm dick ausrollen und wie einen Deckel auf den Bräter legen. Dann den Bräter schliessen und den Dippehas im Backofen ca. 90 Minuten bei 180°C garen lassen.
  • Den verbliebenen Sud durchseihen, evtl. etwas nachwürzen und zu einer Sosse etwas eindicken.

Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.