Gado Gado

Gado Gado

Auf einer großen Platte sieht Gado Gado ein bisschen aus, als hätte jemand den Wochenmarkt sehr ordentlich nach Farben sortiert – und dann beschlossen, noch eine Erdnusssauce darüber zu gießen. Eine ausgesprochen gute Entscheidung, finde ich. Bei uns am Tisch sorgt dieses indonesische Gericht regelmäßig für den seltenen Moment, dass alle erst mal schauen, bevor sie losessen. Selbst Jonas, der bei Bohnen sonst gern verhandelt wie ein kleiner Gewerkschaftsvertreter, wird bei Kartoffeln, Ei und der cremigen Sauce erstaunlich kooperativ.

Viele kleine Zutaten, aber kein Küchenstress

Gado Gado wird oft als indonesischer Gemüsesalat bezeichnet, aber „Salat“ klingt hier fast ein wenig zu brav. Durch Kartoffeln, Eier, das kurz gegarte Gemüse und vor allem die warme Erdnusssauce ist das eine richtig sättigende Hauptmahlzeit. Und weil die einzelnen Bestandteile getrennt auf der Platte landen, darf jeder beim Auftun ein kleines bisschen Regie führen. Sehr praktisch, wenn eine Person keine Sprossen möchte, die nächste bei Chili vorsichtig ist und jemand Ananas im herzhaften Essen zunächst mit hochgezogener Augenbraue betrachtet.

Die Vorbereitung lässt sich gut entzerren: Kartoffeln, Bohnen und Möhren können schon abgekühlt bereitstehen, während Gurke, Tomaten und Lauchzwiebeln erst kurz vor dem Anrichten geschnitten werden. Der Chinakohl und die Sprossen werden nur mit kochendem Wasser überbrüht. Sie sollen knackig bleiben und nicht in Richtung Gemüsebeilage aus Kantinenzeiten abdriften.

Die feinen Omelettstreifen finde ich besonders hübsch. Dafür sollte die Eiermasse wirklich glatt sein und der Pfannkuchen möglichst dünn ausfallen. Nach dem Aufrollen entstehen diese zarten Streifen, die zwischen all dem Gemüse fast wie kleine gelbe Bänder aussehen. In Bayern würde man vermutlich sagen: sauber angerichtet. Im Ruhrgebiet hätte es eher geheißen: „Mach mal ordentlich Sauce drauf.“ Beides hat seine Berechtigung.

Die Erdnusssauce darf cremig sein, nicht kleisterartig

Der eigentliche Zusammenhalt auf der Platte kommt aus der Sauce. Grobe Erdnussbutter bringt dabei nicht nur Geschmack, sondern auch kleine Stückchen mit, die ich sehr mag. Kokosmilch macht sie weich und rund, dunkle Sojasauce liefert Würze, Zitronensaft bringt die nötige Frische. Der Palmzucker hat eine leicht karamellige Note; brauner Zucker funktioniert aber ebenfalls gut, wenn Palmzucker gerade nicht im Vorratsschrank wohnt. Meiner ist zuverlässig genau dann leer, wenn ich überzeugt war, ihn noch zu haben.

Wichtig ist, die Sauce nur sanft zu erhitzen und dabei geduldig zu rühren. Erdnussbutter setzt gern am Pfannenboden an, wenn man zwei Minuten gedanklich schon beim Tischdecken ist. Sie sollte am Ende dickflüssig sein, aber noch gut vom Löffel laufen. Wird sie beim Abkühlen zu fest, hilft ein kleiner Schluck Kokosmilch oder heißes Wasser. Nicht auf einmal zu viel hineingießen – aus cremig wird sonst ziemlich schnell Suppenprogramm.

Knoblauch, Ingwer und Zitronengras werden separat kurz angedünstet und dann in die Sauce gegeben. Gerade das Zitronengras macht geschmacklich viel aus: Es nimmt der Erdnuss die Schwere und gibt ihr diese helle, frische Richtung. Verwendet werden vor allem die weißen, zarten unteren Teile der Stängel. Die äußeren Fasern dürfen weg, die sind beim Essen ungefähr so charmant wie ein Stück Geschenkband im Mund.

Chili und Shrimpspaste lieber am Tisch mitdenken

Bei den roten Chilischoten bin ich in unserer Familie großzügig vorsichtig. Ich schneide sie fein und streue nur einen Teil über die Platte, den Rest stelle ich dazu. So kann Thomas nachlegen, während Lena und Jonas nicht schon beim ersten Bissen nach Milch rufen. Auch die Chilipaste in der Sauce lässt sich nach persönlicher Schmerzgrenze dosieren.

Die im Rezept vorgesehene Shrimpspaste gibt der Sauce eine kräftige, typisch würzige Tiefe, ist aber natürlich nicht vegetarisch. Wer Gado Gado fleisch- und fischfrei halten möchte, lässt sie einfach weg und schmeckt die Sauce stattdessen mit etwas mehr Sojasauce, Salz oder einer Prise Zucker ab. Sie wird dann anders, aber keineswegs langweilig. Bei der dunklen Sojasauce lohnt sich ohnehin ein kurzer Geschmackstest, denn manche Sorten sind deutlich salziger als andere.

Warum die Platte bei uns besser ankommt als die Schüssel

Man könnte alles in einer großen Schüssel vermengen. Kann man machen. Auf einer Platte bleibt aber sichtbar, was da alles zusammenkommt: die Kartoffelscheiben am Rand, orange Möhren, grüne Bohnen, die hellen Sprossen, Gurke, Tomaten und die kleinen Ananaswürfel. Erst auf dem eigenen Teller darf sich alles mit Sauce verbinden. Das sieht nicht geschniegelt aus, eher lebendig – und genau so soll es sein.

Die Sauce serviere ich gern separat in kleinen Schälchen. Dann bleibt das Gemüse knackig, und Reste lassen sich am nächsten Tag noch gut aufheben. Die angerichteten Zutaten selbst schmecken frisch am besten; übrig gebliebene Erdnusssauce dagegen macht sich auch prima zu Reis, gebratenem Gemüse oder als Dip zu kalten Kartoffeln. Wobei man bei letzterem aufpassen muss: Ehe man sich versieht, steht man am Kühlschrank und nennt das Abendessen.

Gado Gado

Gado Gado

Gericht Hauptgänge
Küche Indonesien
Portionen 4 Portionen

Zutaten
  

  • 2 Gr. Festkochende Kartoffeln
  • 125 g Grüne Bohnen
  • 2 Möhren
  • Salz
  • 2 Eier
  • 100 g Chinakohl; geputzt gewogen
  • 100 g Bohnensprossen
  • 1/2 Salatgurke
  • 3 Lauchzwiebeln
  • 2 Kl. Tomaten
  • 2 sl Ananas
  • 2 Rote Chilischoten
  • 2 Hartgekochte Eier
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1 Cm_Stück Ingwer
  • 3 Stengel Zitronengras
  • 2 El Dunkle Sojasauce
  • 1 Zitrone; davon
  • 1 El Zitronensaft
  • 6 El Grobe Erdnußbutter
  • 1 El Palmzucker; oder
  • Brauner Zucker
  • 1 Tl Chilipaste
  • 250 ml Kokosmilch
  • 1 El Öl evtl.
  • 1/2 Tl Shrimpspaste

Und so wird's gemacht:
 

  • Kartoffeln waschen, ungeschält kochen, noch heiß pellen und erkalten lassen. Bohnen putzen, waschen, schräg in 3-4 cm lange Stücke schneiden, Möhren schälen, in feine Streifen schneiden und beides getrennt in sprudelnd kochendem Salzwasser nicht zu weich kochen. Abschrecken, erkalten und abtropfen lassen.
  • Die Eier sehr gründlich verschlagen und - falls nötig - durch ein Sieb gießen; die Masse muß völlig glatt sein. In einer beschichteten Pfanne (oder mit sehr wenig Öl in einer unbeschichteten) zu hauchdünnen Eierkuchen backen .Dabei einmal wenden. Erkalten lassen, einrollen und in sehr feine Streifen schneiden. Diese dann auseinanderziehen und lockern.
  • Den geputzten Chinakohl in feine Streifen schneiden und samt den Bohnensprossen im Sieb mit kochendem Wasser übergießen, kalt abschrecken und sehr gut abtropfen lassen. Gurke waschen, abtrocknen und in hauchdünne Scheiben schneiden. (Sollte sie jedoch größere Kerne haben, wird sie geschält, längs halbiert, entkernt und gewürfelt.) Die Lauchzwiebeln und Tomaten waschen und abtrocknen. Die Zwiebeln putzen und waschen Tomaten von den Stengelansätzen befreien und beides in Scheiben schneiden. Ananasscheiben würfeln. Die Chilischoten waschen, aufschlitzen, von Stengelansätzen und Kernen befreien und in hauchdünne Streifen schneiden.
  • Die Kartoffeln in Scheiben schneiden und den Rand einer großen Platte dachziegelartig damit belegen. Das übrige vorbereitete Gemüse nach Belieben einzeln oder gemischt darauf anrichten. Omelettstreifen darauf verteilen und mit Chili bestreün. Eier schälen, vierteln und darauf anrichten. Alles mit Frischhaltefolie abdecken und in den Kühlschrank stellen.
  • Knoblauch und Ingwerwurzel schälen und fein würfeln. Vom Zitronengras die harten Fasern abziehen und nur die weißen Teile sehr fein hacken.
  • Sojasauce mit Zitronensaft, Erdnußbutter, dem Palmzucker (oder braunem Zucker) und Chilipaste in einer kleinen Pfanne unter Rühren nicht zu stark erhitzen und dabei nach und nach die Kokosmilch dazugießen. So lange rühren, bis sich alles gut vermischt hat, aber noch nicht aufkocht. Nebenher in einem zweiten Pfännchen Knoblauch, Ingwer und Zitronengras bei sanfter Hitze im Öl 2-3 Minuten dünsten. Die Mischung in die Erdnußsauce geben und alles weitere 4-5 Minuten unter Rühren (sie brennt leicht an) köcheln lassen. Dabei nach Wunsch mit Shrimpspaste abschmecken. Die Sauce abkühlen lassen, in Schälcchen füllen und zusammen mit dem Salat servieren, so daß sie bei Tisch jeder auf seine Salatportion gießen kann.

Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.