Schupfnudeln auf Sauerkraut

Schupfnudeln auf Sauerkraut

Bei Schupfnudeln bin ich sofort wieder hin- und hergerissen zwischen zwei kulinarischen Heimatgefühlen: Im Ruhrgebiet hätte man vermutlich erst einmal gefragt, ob noch ordentlich was Deftiges dazukommt. Hier unten in Bayern steht eine große Pfanne Schupfnudeln auf Sauerkraut auf dem Tisch – und alle sind auffällig schnell still. Das ist bei uns ein ziemlich verlässliches Zeichen dafür, dass es schmeckt.

Schupfnudeln auf Sauerkraut: schlicht, deftig und erstaunlich gemütlich

Dieses Gericht braucht keine große Show. Kartoffeln, Mehl, ein Ei, Zwiebeln, Sauerkraut und ordentlich heißes Fett – mehr ist es im Grunde nicht. Aber genau solche Essen mag ich an kühlen Tagen besonders gern: Sie duften schon beim Braten nach Zuhause, machen satt und verlangen nicht nach drei Beilagen, einem Dresscode und fünf verschiedenen Schüsseln auf dem Tisch.

Die Schupfnudeln werden aus gekochten Kartoffeln vom Vortag gemacht. Das ist keine altmodische Umständlichkeit, sondern wirklich hilfreich: Gut ausgekühlte Kartoffeln lassen sich besser verarbeiten und der Teig wird nicht so klebrig. Frisch gekochte, warme Kartoffeln können einen nämlich ziemlich schnell in eine Mehlspirale führen. Man gibt immer noch ein bisschen dazu, weil der Teig an den Fingern hängt, und plötzlich hat man keine zarten Schupfnudeln mehr, sondern kleine Kartoffelstäbchen mit Betonambitionen.

Der Teig darf fest sein, sollte sich aber noch formen lassen. Ein wenig Muskat gehört für mich unbedingt hinein. Nicht viel, denn er soll nicht den ganzen Laden übernehmen, aber diese kleine warme Note passt wunderbar zu Kartoffeln und Sauerkraut.

Die richtige Form ist weniger wichtig als eine heiße Pfanne

Fingerlang und fingerdick steht im Rezept – und das ist eine sehr angenehme Ansage. Niemand muss hier mit dem Lineal neben dem Backbrett stehen. Manche Schupfnudeln werden etwas schlanker, andere eher kräftig, und ein paar sehen aus, als hätten sie beim Formen kurz ihre eigene Meinung entwickelt. Völlig in Ordnung.

Wichtig ist eher der Zwischenschritt im Wasser: Die geformten Nudeln kommen in kochendes Wasser und dürfen nach dem Aufschwimmen wieder heraus. Danach sollten sie einen Moment auf dem Brett trocknen. Das klingt unspektakulär, macht beim späteren Anbraten aber einen Unterschied. Sind sie außen nicht mehr ganz feucht, bekommen sie in der Pfanne leichter diese hellbraunen Stellen, die so herrlich nach gerösteter Kartoffel schmecken.

Ich nehme zum Herausheben gern einen Schaumlöffel und lege die Schupfnudeln möglichst nebeneinander ab. Nicht, weil ich in der Küche plötzlich militärische Ordnung liebe – Thomas würde darüber lachen –, sondern weil sie dann nicht direkt zu einem großen, dampfenden Kartoffelklumpen zusammenkleben.

Sauerkraut mit Zwiebeln und Schmalz darf Zeit bekommen

Beim Sauerkraut lohnt es sich, die Zwiebeln erst einmal in Ruhe hellgelb zu rösten. Sie bringen eine leichte Süße mit, die das säuerliche Kraut wunderbar auffängt. Anschließend kommt das rohe Sauerkraut dazu und wird heiß gedämpft. Wer sehr kräftiges Sauerkraut erwischt hat, kann es vorher kurz probieren und bei Bedarf etwas abtropfen lassen. Ich würde es aber nicht komplett auswaschen – ein bisschen Säure gehört schließlich dazu, sonst fehlt dem Gericht genau der kleine Gegenpol zum Schmalz und den Kartoffeln.

Beim Fett darf man übrigens nicht zu schüchtern sein. Schweine- oder Gänseschmalz bringt diesen typischen, herzhaften Geschmack, den Pflanzenöl einfach nicht ganz hinbekommt. Das ist kein Essen für den Dienstagabend, an dem man sich besonders tugendhaft fühlen möchte. Es ist eher eines für den Tag, an dem draußen grauer Himmel hängt, Jonas mit kalten Händen von der Schule kommt und ich beschließe, dass wir jetzt alle dringend etwas Warmes in einer Pfanne brauchen.

Erst mischen, dann braten – und nicht dauernd herumrühren

Wenn Sauerkraut und Schupfnudeln zusammen in die Pfanne kommen, wird alles unter gelegentlichem Wenden hellbraun angebraten. Gelegentlich ist dabei das wichtige Wort. Wer ständig umrührt, verhindert genau die knusprigen Röststellen, auf die alle warten. Lieber kurz liegen lassen, dann wenden und wieder ein wenig Geduld haben.

Bei uns gibt es dazu meist nichts Großes mehr. Ein Klecks Senf passt gut auf den Tisch, auch wenn Lena ihn grundsätzlich erst ablehnt und dann doch heimlich nimmt. Thomas mag gern noch etwas Pfeffer darüber, während ich es am liebsten so esse, wie es aus der Pfanne kommt: außen leicht knusprige Schupfnudeln, dazwischen würziges Sauerkraut und diese goldenen Zwiebelstückchen. Mehr braucht so ein bodenständiger Abend wirklich nicht.

 

Schupfnudeln Auf Sauerkraut

Schupfnudeln auf Sauerkraut

Gericht Hauptgänge
Küche Schwaben
Portionen 4 Portionen

Zutaten
  

  • 500 g gekochte Kartoffeln
  • 500 g Mehl
  • 1 Ei
  • Muskat
  • Salz
  • 2 Zwiebeln
  • 100 g Schweine- oder Gänseschmalz
  • 500 g rohes Sauerkraut

Und so wird's gemacht:
 

  • Kartoffeln am Vortag kochen, schälen und auskühlen lassen.
  • Am nächsten Tag die Kartoffeln durch die Kartoffelpresse drücken und mit dem Mehl, dem Ei, etwas Muskat und einer Prise Salz zu einem festen Teig kneten.
  • Auf dem bemehlten Backbrett zu fingerlangen und fingerdicken Würstchen formen. In kochendes Wasser geben und nach dem Aufschwimmen mit dem Schaumlöffel herausnehmen und auf dem Backbrett zum Trocknen auslegen.
  • Zwiebeln fein schneiden, in heissem Fett hellgelb rösten, Sauerkraut hinzugeben und heiss dämpfen. Dann die Schupfnudeln beimengen und alles unter öfterem Wenden hellbraun anbraten.

Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.