Blindhuhn (Westfälischer Eintopf)

Blindhuhn (Westfälischer Eintopf)

Ein Topf voller Geschichte

Blindhuhn ist so ein Gericht, bei dem ich sofort an meine Kindheit im Ruhrgebiet denken muss, auch wenn der Eintopf klar aus Westfalen stammt. Der Name hat mich als Kind immer irritiert. Ich habe mir ernsthaft vorgestellt, irgendwo müsse doch ein Huhn mitgekocht werden. Meine Mutter hat dann nur gelacht und gesagt, dass ein Blindhuhn ja auch mal ein Korn findet. Damals habe ich das hingenommen, verstanden habe ich es erst viel später.


Essen aus einer Zeit ohne Überfluss

Blindhuhn ist ein typisches Gericht aus Zeiten, in denen man gekocht hat, was gerade da war. Bohnen, Speck, Kartoffeln, dazu Obst aus dem Garten oder vom Markt. Keine klare Trennung zwischen süß und herzhaft, sondern alles in einem Topf. Als Kind fand ich die Apfel- und Birnenstücke im Eintopf erst merkwürdig, später habe ich genau das geliebt. Diese leichte Süße, die plötzlich zwischen Bohnen und Speck auftaucht.

Der Duft von früher

Wenn ich Blindhuhn heute koche, riecht meine Küche sofort nach früher. Geräucherter Speck, Lorbeer, gekochte Bohnen. Das ist kein feiner Duft, aber ein vertrauter. Einer, der satt macht, noch bevor man gegessen hat. Während der Topf vor sich hin köchelt, denke ich oft daran, wie selbstverständlich solche Gerichte früher waren. Kein Rezept, eher eine Abfolge von Handgriffen.

Am heutigen Familientisch

Meine eigene Familie reagiert gemischt. Jonas mag den Eintopf, solange er weiß, was ihn erwartet. Lena sortiert erst einmal die Birnen aus, isst sie dann aber doch. Thomas schätzt genau diese Mischung aus deftig und fruchtig. Für ihn ist Blindhuhn ein ehrliches Essen, sagt er. Ich finde, das passt. Es ist nichts Verstecktes, nichts Raffiniertes, sondern einfach ein voller Topf.

Warum Blindhuhn bleibt

Blindhuhn ist kein Gericht für jeden Tag, aber eines, das man nicht vergessen sollte. Es erzählt viel über westfälische Küche, über Sparsamkeit und Fantasie. Für mich ist es ein gutes Beispiel dafür, wie Essen früher funktioniert hat: Man hat genommen, was da war, und etwas Sättigendes daraus gemacht. Und manchmal entsteht genau daraus ein Gericht, das Jahrzehnte überdauert.

blindhuhn

Blindhuhn (Westfälischer Eintopf)

Gericht Eintöpfe
Küche Westfalen
Portionen 4 Portionen

Zutaten
  

  • 200 g getrocknete weiße Bohnen
  • 400 g magerer geräucherter Speck
  • 1 Lorbeerblatt
  • Salz
  • 250 g Möhren
  • 250 g Kartoffeln
  • 1 Packung 300 g tiefgefrorene junge Brechbohnen
  • 200 g säuerliche Äpfel
  • 200 g festkochende Birnen
  • 1/2 Bund Petersilie
  • weißer Pfeffer
  • 1 Prise Zucker
  • evtl. 1 Eßl. Weißwein-Essig 

Uns so wird's gemacht:
 

  • Bohnen waschen und in 1,5 Liter kaltem Wasser über Nacht einweichen.
  • Bohnen mit dem Einweichwasser, Speck, Lorbeer und ca. 1 Teelöffel Salz aufkochen und zugedeckt 1 - 1 1/4 Stunden garen.
  • Möhren und Kartoffeln waschen und schälen. Möhren in Scheiben, Kartoffeln in Würfel schneiden. Tiefgefrorene Bohnen, Karotten und Kartoffeln in den Topf geben und weitere 10 Minuten kochen.
  • In der Zwischenzeit Äpfel und Birnen waschen, vierteln und das Kerngehäuse entfernen. Die Viertel in dicke Scheiben schneiden und in den Topf geben. Nochmals ca. 10 Minuten köcheln lassen.
  • Speck aus dem Eintopf nehmen und in Scheiben schneiden. Eintopf mit Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker und evtl. etwas Essig abschmecken.
  • Je eine Scheibe Speck in eine Suppenterrine geben und den Eintopf darüber verteilen. Mit feingehackter Petersilie bestreut servieren.

Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.