Kentish Huffkins (Hefegebäck)

Inhalt
- Huffkins: irgendwas zwischen Brötchen, Küchlein und „Wo warst du mein Leben lang?“
- Der Moment, wenn die Hefe Blasen wirft (und ich kurz stolz bin)
- Kneten, bis der Teig dich nicht mehr nervt
- Die Delle in der Mitte: kleines Detail, großer Aha-Moment
- Goldbraun backen und warm halten – und dann füllen, was das Obst hergibt
- Kentish Huffkins (Hefegebäck)
Neulich stand ich beim Bäcker hier im Ort und hab wieder dieses bayerische „Magst a Semmerl?“ gehört – und in meinem Kopf kam sofort das Ruhrpott-Gegenprogramm: „Gib ma ’n Brötchen, aber zackig.“ Tja. Und dann hab ich daheim aus Trotz (und weil Lena nach der Schule plötzlich „was Süßes, aber nicht so süß“ wollte) Kentish Huffkins gebacken – so ein herrlich schlichtes Hefegebäck aus der Ecke von England, wo man Tee offenbar genauso ernst nimmt wie wir hier die Brotzeit.
Huffkins: irgendwas zwischen Brötchen, Küchlein und „Wo warst du mein Leben lang?“
Ich kannte Huffkins ehrlich gesagt auch nicht, bis ich mich mal in einem Rezept-Feed festgelesen hab (ihr wisst schon: „Ich schau nur kurz“ … eine Stunde später weiß man plötzlich alles über britische Teekultur). Huffkins sind so kleine, ovale Hefeteile mit einer Delle in der Mitte. Und diese Delle ist nicht Deko, die ist Programm: Da kommt später Obst rein. Oder was auch immer du gerade da hast.
Vom Gefühl her sind sie ein bisschen wie ein fluffiges Brötchen, aber eben weicher und „kuchiger“ – ohne gleich in Richtung Zimtschnecke abzubiegen. Genau richtig, wenn man was Gebackenes möchte, das nicht gleich nach Zuckerparty schreit.
Der Moment, wenn die Hefe Blasen wirft (und ich kurz stolz bin)
Ich weiß nicht, wie’s dir geht, aber Hefe ist bei mir so ein kleines Beziehungsthema: Mal läuft’s, mal schmollt sie. Deshalb halte ich mich hier wirklich an den simplen Einstieg: lauwarme Milch, lauwarmes Wasser, Hefe rein, Prise Zucker dazu – und dann 15 Minuten warten, bis sie Blasen wirft.
Wenn’s blubbert, ist die Welt in Ordnung. Wenn nicht, fange ich an, die Küche passiv-aggressiv zu beheizen und frage mich, ob ich die Milch „lauwarm“ oder „bayerisch-lauwarm“ gemacht habe (hier ist ja selbst das Wetter manchmal konsequent). Also: lieber wirklich handwarm, nicht heiß.
Kneten, bis der Teig dich nicht mehr nervt
Der Teig ist angenehm bodenständig: Mehl, Salz, Zucker – und dann wird die Butter erst mal ins Mehl geknetet. Das fühlt sich kurz an, als würde man Sandburgen bauen, aber es lohnt sich. Danach kommt das Hefegemisch in die Mulde, und dann wird geknetet, bis der Teig nicht mehr am Schüsselrand klebt.
Ich knete meistens erst in der Schüssel und dann auf der Arbeitsfläche nochmal so um die 10 Minuten. Das ist übrigens mein heimliches Fitnessprogramm in der 32-Stunden-Woche: Projektpläne im Kopf, Teig unter den Händen. Thomas sagt dann gern „Du bist heute wieder sehr… engagiert.“ Ja. Nennt es ruhig Stressabbau mit Gluten.
Dann darf der Teig eine Stunde gehen, bis er sich verdoppelt hat. Ich decke die Schüssel ab und stelle sie an einen warmen Ort – im Winter gern in die Nähe der Heizung, im Sommer reicht meistens „irgendwo, wo keiner dran vorbeizieht“ (Jonas ist nämlich ein Meister darin, Türen exakt so zu öffnen, dass jeder Teig beleidigt ist).
Die Delle in der Mitte: kleines Detail, großer Aha-Moment
Nach dem Gehen teile ich den Teig in 12 Stücke und rolle sie zu ovalen Küchlein aus, so etwa 1 cm dick. Aufs gefettete Blech, mit Abstand (sie nehmen Platz ein, als hätten sie eine eigene Meinung), abdecken und nochmal 30 Minuten gehen lassen.
Und dann kommt mein Lieblingsteil: Mit dem Daumen eine richtig tiefe Delle in die Mitte drücken. Nicht zaghaft. Die Delle soll später die Füllung halten. Beim ersten Mal war ich zu vorsichtig, da hat sich das beim Backen wieder rausgeplustert – sah hübsch aus, war aber eher „Huffkin ohne Sinn“. Also: mutig reindrücken.
Goldbraun backen und warm halten – und dann füllen, was das Obst hergibt
Gebacken wird bei 220°C für ungefähr 15–20 Minuten, bis sie goldbraun sind. Ich bleib gegen Ende immer in der Nähe, weil zwischen „schön gebräunt“ und „ups“ manchmal nur ein Familien-WhatsApp dazwischenliegt.
Nach dem Backen kommen sie aufs Gitter und werden dann in ein warmes, sauberes Küchentuch eingewickelt. Das klingt so altmodisch nett – funktioniert aber wirklich, damit sie nicht austrocknen. Und dann: füllen!
Im Original passen heiße Kirschen super. Ich hab’s auch schon mit Beeren, Apfelkompott oder einfach Marmelade gemacht. Wenn’s ganz unkompliziert sein soll: ein Löffel Kirschgrütze aus dem Glas (ich sag’s, wie’s ist) und ein Klecks Sahne – und plötzlich fühlt sich der Nachmittag sehr nach „Tea Time“ an, auch wenn im Hintergrund Mathehausaufgaben diskutiert werden.
- Für Kinder: Vanillepudding in die Delle, ein paar Beeren drauf – fertig.
- Für Erwachsene: Heiße Kirschen und ein bisschen Zimt oder ein Hauch Orangenschale.
- Für Pragmatiker (also mich an Dienstagen): Marmelade, Löffel, los.
Und falls du dich fragst, ob man die Huffkins auch herzhaft machen kann: Ich hab’s noch nicht probiert, aber ich sehe da durchaus Potenzial. Nur dann lasse ich den Zucker im Teig vielleicht minimal runter – wobei… in England geht ja auch vieles gleichzeitig: süß, salzig, Tee dazu. Warum also nicht.
Kentish Huffkins (Hefegebäck)
Zutaten
- 15 gr Frische Hefe oder 1 1/2 Trockenhefe und 1 Prise Zucker
- 115 ml Lauwarme Milch
- 115 ml Lauwarmes Wasser
- 450 gr Mehl
- 1 Tl Salz
- 2 Tl Zucker
- 50 gr Butter
Und so wird's gemacht:
- Milch mit Wasser mischen und die Hefe darin auflösen. Etwa 15 Minuten stehen lassen, bis die Hefe Blasen wirft.
- Mehl, Salz und Zucker in eine Schüssel geben und die Butter damit verkneten. In die Mitte eine Mulde geben und das Hefe-Gemisch hineingießen. Den Teig kneten, bis er nicht mehr am Schüsselrand kleben bleibt. Dann aus der Schüssel nehmen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche 10 Minuten lang zu einem weichen und elastischen Teig kneten. Den Teig zurück in die Schüssel geben, abedecken und ca. 1 Stunde an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich sein Volumen verdoppelt hat.
- Den Teig in 12 Stücke aufteilen und in ovale Küchlein von ca. 1 cm Dicke ausrollen. Auf ein gefettetes Backblech mit genügend Abstand zueinander auslegen. Zudecken und noch einmal 30 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat. Dann mit dem Daumen ein tiefe Delle in die Mitte der Küchlein drücken.
- Im vorgeheizten Backofen bei 220°C ca. 15-20 Minuten goldbraun backen. Auf einem Kuchengitter abkühlen lassen. In ein warmes sauberes Küchentuch einwickeln, damit die Huffkins nicht austrocknen.
- Heiße Kirschen oder anderes Obst in die Mitte füllen und servieren.
Notizen
Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.
