Tamales

Tamales

Neulich stand ich im Asia-Laden hier bei uns im südlichen Bayern vor einem Stapel Bananenblätter und hab mich gefühlt wie früher im Ruhrgebiet vor’m Süßigkeitenregal: leicht überfordert, aber sehr entschlossen. Jonas war natürlich sofort dabei („Mama, das sieht aus wie Dinosaurier-Futter!“), und Thomas hat nur trocken gefragt, ob das am Ende wieder so eine Aktion wird, bei der ich drei Töpfe gleichzeitig am Laufen habe. Spoiler: wird es. Aber diese honduranischen Tamales sind genau die Sorte Küchenabenteuer, die sich am Ende richtig gemütlich anfühlt – weil aus ein bisschen Chaos plötzlich lauter kleine Päckchen werden, die nach Feierabend und Familienleben schmecken.


Warum Tamales bei uns sofort „Päckchen-Essen“ heißen

Bei Tamales liebe ich dieses Prinzip: Man packt etwas Gutes ein, macht es zu, und dann passiert im Dampf der Zauber. Das hat was Beruhigendes. Vielleicht, weil ich beruflich als Projektmanagerin ständig Dinge sortiere, plane und in hübsche Strukturen bringe – und in der Küche darf’s dann gern ein bisschen handfester sein. Päckchen falten, nebeneinander in den Topf stellen, Deckel drauf, fertig.

Und ganz ehrlich: Für Familien ist das super. Jeder sieht, was drin ist (okay, zumindest ungefähr), und die Mischung aus Huhn, Kartoffeln, Ei, Oliven, Kapern, Rosinen und Pflaumen ist so herrlich „alles auf einmal“, dass keiner nach fünf Minuten wieder am Kühlschrank steht.

Die Brühe ist hier der heimliche Star (und ja: einkochen lohnt sich)

Das Rezept startet ja ganz klassisch: Huhn in kaltem Wasser aufsetzen, aufkochen, Schaum abschöpfen. Ich mach das meistens am Wochenende oder an einem Tag, an dem ich durch meine 32-Stunden-Woche ein bisschen Luft habe – weil man nebenbei immer mal wieder umrühren, abschmecken und „nur kurz“ am Topf stehen bleibt.

Der Kniff mit der ungeschälten Zwiebel, die man mit der Schnittfläche in der Pfanne anbräunt, ist übrigens genial. Das gibt der Brühe sofort mehr Tiefe, ohne dass man groß herumzaubert. Bouquet Garni, Lorbeer, Wacholder – und dann wirklich kräftig salzen und pfeffern. Wenn die Brühe später noch einkocht, wird sie richtig konzentriert. Und genau diese Power braucht der Maisbrei, sonst schmeckt’s am Ende einfach nur… na ja, nach Maisbrei.

Maismehl + Schmalz: klingt wild, macht aber glücklich

Ich gebe zu: „Viel Schweineschmalz“ ist so eine Formulierung, bei der mein innerer Ernährungs-Newsletter kurz zuckt. Aber dann erinnere ich mich: Tamales sollen nicht nach Diät schmecken. Die sollen satt, rund und saftig sein. Und das Schmalz ist hier nicht Deko, sondern Textur und Geschmack.

Das Kochen des Maisbreis dauert – und das ist der Teil, bei dem ich mir immer eine kleine Nebenbeschäftigung suche: Spülmaschine ausräumen, Schulbrotboxen einsammeln, Lena daran erinnern, dass Mathehausaufgaben nicht durch Ignorieren verschwinden. Wichtig ist: häufig rühren, damit nichts ansetzt, und die Konsistenz dickflüssig halten. Wenn du das Gefühl hast, dein Arm wird langsam beleidigt: Du bist genau richtig.

Füllung mit Charakter: süß, salzig, herzhaft – alles in einem Bissen

Während der Brei vor sich hinblubbert, passiert der angenehm praktische Teil: Kartoffeln und Eier kochen, Hühnerfleisch vom Knochen lösen und in Stücke schneiden. Dann Oliven, Kapern, Rosinen und getrocknete Pflaumen zerkleinern. Diese Kombi wirkt auf den ersten Blick wie ein Kühlschrank-Restetag, ist aber geschmacklich richtig spannend.

Die Süße von Rosinen und Pflaumen trifft auf die salzigen Kapern und Oliven – und das Ganze wird vom Huhn und der Tomatensoße zusammengehalten. Bei uns am Tisch gibt’s da immer zwei Lager: Lena findet die Rosinen „diskutabel“, Thomas mag genau diesen Kontrast, und Jonas sortiert einmal alles durch und behauptet dann, er hätte „nur das Huhn“ gegessen. Klar.

Bananenblätter, Falten, Dämpfen: der Teil, der nach Feierabend-Ritual aussieht

Die Bananenblätter schneide ich in etwa 20×25 cm große Stücke. Wenn sie etwas störrisch sind, hilft es oft, sie kurz zu erwärmen, dann werden sie biegsamer. Dann geht’s los: Ein Löffel Maisbrei drauf, darauf Huhn, Kartoffel- und Eierstücke, Oliven, Kapern, Rosinen, Pflaumen – und zum Schluss ein Löffel dickflüssige Tomatensoße.

Beim Falten bin ich nicht päpstlicher als der Papst. Hauptsache, es ist gut verschlossen und hält im Topf zusammen. Die Päckchen kommen dicht nebeneinander in den Topf, Enden nach unten, Wasser rein, Deckel drauf. Und dann: bei kleiner Flamme 1–2 Stunden köcheln lassen.

Das ist der Moment, in dem ich kurz das Gefühl habe, ich hätte alles im Griff. Bis jemand ruft, dass der Turnbeutel fehlt. Aber immerhin: Das Abendessen dampft schon vor sich hin.

Tamales

Tamales

Gericht Hauptgänge
Küche Honduras
Portionen 4 Portionen

Zutaten
  

  • 1 ganzes Huhn
  • Bouquet Garni Karotte, Lauch, Sellerie
  • 1 Zwiebel ungeschält
  • Salz
  • Pfeffer
  • Lorbeerblatt
  • 2-3 Wacholderbeeren
  • Bananenblätter
  • 250 g festkochende Kartoffeln
  • Maismehl
  • Hühnersuppe
  • Schweineschmalz
  • Eier
  • Oliven
  • Kapern
  • Rosinen
  • trockene Pflaumen
  • dickflüssige Tomatensoße

Und so wird's gemacht:
 

  • Huhn säubern, in kaltem Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen. Den aufsteigenden Schaum und Fett abschöpfen und das Huhn auf kleiner Flamme gar köcheln lassen. In der Zwischenzeit die Zwiebel mit Schale quer halbieren und mit den Schnittflächen nach unten in eine heisse Pfanne geben damit die Schnittfläche anbräunt. Etwa eine halbe Stunde bevor das Hühnchen gegart ist, das Bouquet Garni, die Zwiebelhälften, Lorbeerblatt und Wacholder zugeben und die Brühe kräftig mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Das Huhn herausnehmen und erkalten lassen. Die Gemüse und Gewürze ebenfalls herausnehmen. Die Brühe noch etwas weiter einkochen lassen, so dass sie einen sehr kräftigen Geschmack bekommt.
  • Maismehl mit der Hühnerbrühe und viel Schweineschmalz mischen und unter häufigem Rühren ca. 1 Stunde zu einem dickflüssigen Brei kochen.
  • In der Zwischenzeit Kartoffeln und Eier kochen. Hähnchenfleisch vom Knochen lösen und in fingergroße Stücke schneiden. Kartoffeln und Eier schälen und ebenfalls in längliche Stücke schneiden. Oliven, Karpern, Rosinen und trockene Pflaumen ebenfalls zerkleinern.
  • Bananenblätter in ca. 20x25 cm grosse Stücke schneiden. Auf je ein Stück einen Löffel Maisbrei geben. Auf den Maisbrei kommt Hähnchenfleisch, Kartoffel- und Eierstücke, Oliven, Kapern, Rosinen und Pflaumen und schließlich ein Löffel Tomatensoße. Die Ecken des Bananenblatts zur Mitte hin falten und alles gut verschließen.
  • Die Bananenpäckchen mit den Enden nach unten dicht nebeneinander in einen mit Wasser gefüllten Topf geben. Zudecken und bei kleiner Flamme 1-2 Stunden köcheln lassen.

Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.