Sancocho (Hühnereintopf)

Sancocho (Hühnereintopf)

Neulich stand ich im Supermarkt vor den Kochbananen und hab mich kurz gefühlt wie im falschen Film: Neben mir diskutiert ein älteres Ehepaar, ob das jetzt „Bananen für Arme“ sind (Ruhrpott-Charme lässt grüßen), und ich steh da in Oberbayern, halte eine Kochbanane hoch und denke: Wenn ich die heute mitnehme, koche ich was, das nach Urlaub schmeckt – auch wenn draußen eher „grau mit Aussicht auf Hausaufgaben“ ist. So ist dieses Sancocho bei uns eingezogen: ein Hühnereintopf aus Panama, der nach Wärme, Bauchgefühl und „alles wird gut“ schmeckt.


Warum Sancocho bei uns sofort Familienfutter war

Ich bin ja Projektmanagerin – und wenn ich ehrlich bin, ist so ein Eintopf die kulinarische Version von „Projekt läuft“: Einmal sauber aufsetzen, dann darf’s in Ruhe vor sich hin arbeiten. Sancocho ist genau das. Du schmeißt die richtigen Sachen in einen großen Topf, lässt Zeit und Hitze den Rest machen, und am Ende sitzt du da mit einer Brühe, die wirkt, als hätte sie den Tag für dich mitgetragen.

Bei uns zu Hause ist das ein echtes Plus: Thomas kommt oft mit „Ich brauch was Deftiges“ rein, Lena ist in dem Alter, wo sie gleichzeitig „Ich hab keinen Hunger“ und „Was gibt’s gleich?“ sagen kann, und Jonas… na ja, Jonas findet Eintopf erstmal „verdächtig“, bis er merkt, dass da Maisstücke drin sind. Dann ist er plötzlich sehr offen für internationale Küche.

Panama im Topf: Kochbanane, Yams und Maniok – und ich so: okay, Team Wurzelgemüse

Ganz ehrlich: Yams und Maniok sind bei mir nicht mit der Muttermilch gekommen. Im Ruhrgebiet gab’s Kartoffeln – in allen Aggregatzuständen – und wenn’s exotisch wurde, dann war das Ananas aus der Dose. Hier unten in Bayern krieg ich inzwischen vieles, aber bei Maniok und Yams muss ich manchmal auch schauen, welcher Laden sie gerade hat.

Was ich an Sancocho so mag: Diese Zutaten machen den Eintopf anders, satter, „runder“. Maniok bringt so eine leicht mehlige, fast cremige Art mit, Yams ist ein bisschen süßlicher und erdig, und die Kochbanane gibt dem Ganzen eine milde Süße, die nicht nach Dessert schreit, sondern eher nach „Aha, da passiert was“. Und dann noch Koriander – ich weiß, der spaltet Familien wie sonst nur die Frage „Schuhe im Haus: ja oder nein“. Bei uns geht’s. Notfalls ein bisschen weniger, und alle bleiben friedlich.

Der Moment, wenn der Topf leise blubbert (und ich kurz so tue, als wäre ich im Urlaub)

Das Schöne an diesem Rezept ist: Es hat keine Hektik. Alles außer Salz, Pfeffer und Mais kommt zuerst in den Topf, wird mit Wasser oder Geflügelbrühe bedeckt und darf dann ungefähr eine Stunde köcheln, bis das Suppenhuhn gar ist. In dieser Stunde riecht die Küche irgendwann so, dass sogar das Kind, das eigentlich „nur kurz“ am Handy hängt, plötzlich fragt, ob es schon was zu essen gibt.

Wenn das Huhn gar ist, kommt der Teil, der ein bisschen nach „Sonntag bei Oma“ ist: Huhn raus, Haut abziehen, Fleisch von den Knochen lösen. Ich mach das am liebsten auf einem großen Brett, und ja – das ist eine kleine Sauerei. Aber eine, die sich lohnt. Das Fleisch kommt in größeren Stücken zurück in den Topf, dann erst der Mais. Salz und Pfeffer dran, und nochmal etwa 20 Minuten köcheln lassen, bis der Mais weich ist.

Und dann: Schüssel füllen, einmal umrühren, dabei beobachten, wie Maniok und Yams die Brühe leicht binden… das ist so ein Essen, das den Puls runterbringt. Ganz ohne Wellness-Wochenende.

Meine kleinen Alltags-Tricks (damit Sancocho nicht zur Küchenprüfung wird)

  • Großer Topf ist Pflicht. Das ist kein „Ich probier mal im kleinen Nudeltopf“-Gericht. Der Eintopf braucht Platz.
  • Brühe oder Wasser? Mit Geflügelbrühe wird’s natürlich kräftiger. Mit Wasser geht’s aber auch super, weil das Suppenhuhn genug Geschmack abgibt. Ich nehme oft eine Mischung – je nachdem, was da ist.
  • Koriander dosieren wie Diplomatie. Wenn du Koriander liebst: rein damit. Wenn nicht alle im Haushalt Fan sind: weniger nehmen oder einen Teil erst am Ende frisch über die eigene Schüssel geben.
  • Stücke nicht zu klein schneiden. Diese 3-cm-Würfel sind nicht Schikane, die sind sinnvoll. Sonst zerfällt dir alles zu schnell und du hast eher „Eintopfbrei“ als Sancocho.

So schmeckt’s am nächsten Tag (Spoiler: manchmal sogar besser)

Wenn etwas übrig bleibt – was bei uns selten ist, aber hey, man darf träumen – dann ist Sancocho am nächsten Tag so richtig gemütlich. Die Brühe wird oft noch ein bisschen runder, und die Aromen haben sich besser sortiert, wie ich nach einem Montagmorgen-Meeting: erst Chaos, dann Struktur.

Ich wärme den Eintopf langsam auf, schmecke nochmal mit Salz und Pfeffer ab und streue, wenn ich’s da habe, frischen Koriander drüber. Und dann sitz ich da mit meiner Schüssel und denke: Panama ist vielleicht weit weg – aber manchmal reicht ein Topf, um sich kurz dahin zu kochen.

Sancocho Huehnereintopf

Sancocho (Hühnereintopf)

Gericht Hauptgänge
Küche Panama
Portionen 4 Portionen

Zutaten
  

  • 1 Suppenhuhn ca. 1,5 kg
  • 500 gr. Maniokwurzel geschält und in ca. 3cm große Würfel geschnitten
  • 500 Yamswurzel geschält und in ca. 3cm große Würfel geschnitten
  • 2 Große Kochbananen geschält und in ca. 3cm große Würfel geschnitten
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln das Weiße in grobe Stücke geschnitten
  • 3 Karotten in mundgerechte Stücke geschnitten
  • 3 Ganze Stauden Gemüsemais in ca. 3 cm dicke Scheiben geschnitten
  • 1/2 Tasse Koriandergrün grob gehackt
  • Wasser oder Geflügelbrühe
  • Salz
  • Pfeffer

Und so wird's gemacht:
 

  • Alle Zutaten außer Salz, Pfeffer und den Mais in einen großen Topf geben und mit Wasser oder Geflügelbrühe bedecken. Zum Kochen bringen, die Hitze reduzieren und ca. 1 Stunde köcheln lassen, bis das Huhn gar ist.
  • Das Huhn aus der Brühe nehmen, die Haut abziehen und das Fleisch von den Knochen lösen. Das Fleisch in größere Stücke zerschneiden und zurück in den Topf geben. Den Mais zugeben und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Für weitere 20 Minuten köcheln lassen, bis der Mais gar ist.

Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.