Shaah (Somalischer Tee)

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Es gibt Getränke, die tauchen nicht beiläufig auf, sondern markieren einen Moment. Shaah gehört für mich genau dazu. Ich erinnere mich an einen späten Nachmittag, an dem der Tag eigentlich schon vorbei war, aber noch nicht abgeschlossen. Draußen war es kühl, drinnen roch es nach warmen Gewürzen, und dieser Tee stand plötzlich auf dem Tisch, süß, milchig und erstaunlich beruhigend. Kein schneller Durstlöscher, sondern ein Getränk, das Zeit verlangt und gleichzeitig schenkt.
Tee als sozialer Mittelpunkt
In Somalia ist Shaah weit mehr als nur ein heißes Getränk. Er gehört zum Alltag, zu Gesprächen, zu Besuchen und Pausen. Oft wird er mehrmals am Tag getrunken, morgens genauso wie am späten Nachmittag. Tee ist hier kein stilles Solo, sondern ein verbindendes Element. Man sitzt zusammen, schenkt nach, redet, schweigt, trinkt weiter. Die Süße ist dabei kein Zufall, sondern Teil dieser Geste von Großzügigkeit und Gastfreundschaft.
Gewürze mit Geschichte
Die Gewürzmischung im Shaah erzählt von Handelswegen und kulturellen Einflüssen. Kardamom, Zimt, Nelken und Muskatnuss sind typische Zutaten in Ostafrika und erinnern an die jahrhundertealte Rolle Somalias im Gewürzhandel entlang des Indischen Ozeans. Jede Zutat hat ihren Platz. Kardamom bringt Frische, Zimt Wärme, Nelken Tiefe und die Muskatnuss eine leicht erdige Note. Zusammen ergeben sie ein rundes, harmonisches Profil, das weder scharf noch aufdringlich wirkt.
Süße und Milch als Balance
Was mich an Shaah besonders fasziniert, ist das Zusammenspiel von Süße und Milch. Der Tee wird bewusst kräftig gesüßt, was für ungeübte Gaumen zunächst ungewohnt sein kann. Doch in Kombination mit der Milch entsteht eine weiche, fast beruhigende Textur. Die Gewürze verlieren ihre Schärfe, ohne an Charakter einzubüßen. Es ist ein Getränk, das nicht wachrüttelt wie Kaffee, sondern eher sammelt und erdet.
Ein Getränk für ruhige Momente
Zu Hause trinke ich Shaah gern an Tagen, an denen vieles gleichzeitig passiert ist. Er passt nicht zwischen zwei Termine, sondern an den Rand des Tages. Vielleicht ist es genau das, was ihn so besonders macht. Shaah verlangt Aufmerksamkeit, aber keine Anstrengung. Er ist einfach da, warm, süß und vertraut, auch wenn er aus einer ganz anderen Küche stammt.
Somalischer Tee zeigt, wie viel Kultur in einer Tasse stecken kann. Ohne großes Ritual, ohne komplizierte Zubereitung, aber mit einer Tiefe, die bleibt.
Shaah (Somalischer Tee)
Zutaten
- 1/2 Tl Frisch geriebene Muskatnuss
- 2 Zerdrückte Kardamomsamen
- 5 Nelken zerdrückt
- 1/2 Zimtstange zerdrückt
- Zucker
- Milch
Uns so wird's gemacht:
- Die Gewürze bis auf den Zucker in eine Teekanne geben und mit kochendem Wasser aufgießen. Mehrere Minuten ziehen lassen. Reichlich Zucker zugeben und umrühren.
- Milch in Teetassen geben und mit dem Tee auffüllen. Heiß servieren.
Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.
