Mohingar (Fischsuppe mit Nudeln)

Inhalt
Bei uns daheim wird Suppe meistens mit Brot gedacht. Im Ruhrgebiet sowieso, und Thomas fragt auch nach zwanzig Jahren Ehe noch zuverlässig: „Gibt’s da kein Semmerl dazu?“ Bei Mohingar darf er seine Semmel aber gern behalten. Hier gehören die Reisnudeln in die Schüssel, die würzige Fischbrühe darüber – und plötzlich hat man eher ein vollständiges Abendessen als eine Vorspeise vor sich.
Eine Nudelsuppe aus Myanmar, die erstaunlich bodenständig schmeckt
Mohingar gilt als eines der bekanntesten Gerichte aus Myanmar und wird dort häufig schon zum Frühstück gegessen. Das fand ich zunächst sportlich. Um acht Uhr morgens mit Fischsauce, Ingwer und Chili loszulegen, dafür müsste ich vermutlich erst zwei Kaffee trinken. Als Mittagessen, schnelles Feierabendessen oder gemütliche Wochenendsuppe passt sie bei uns allerdings ganz hervorragend.
Die Zutatenliste liest sich auf den ersten Blick aromatisch und ein bisschen ungewohnt, besonders wegen Fischsauce, Zitronengras und Reismehl. Beim Kochen merkt man aber schnell: Das ist keine komplizierte Restaurantnummer. Die Basis entsteht ganz schlicht aus Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und Gewürzen. Kurkuma färbt die Brühe warm gelb, das Zitronengras bringt Frische hinein, und die Fischsauce liefert die kräftige, salzige Tiefe.
Für die Kinder mache ich es mit dem Chilipulver eher zurückhaltend. Lena ist inzwischen mutiger als ich in ihrem Alter, Jonas dagegen findet schon schwarzen Pfeffer gelegentlich „auffällig“. Ein wenig Chili kann man deshalb auch erst am Tisch ergänzen. Das spart Diskussionen, und davon haben wir rund um Hausaufgaben und verschwundene Sportbeutel wirklich genug.
Reismehl macht die Brühe angenehm sämig
Der kleine Kniff bei Mohingar ist das in kaltem Wasser angerührte Reismehl. Es bindet die Brühe, ohne sie schwer oder mehlig wirken zu lassen. Wichtig ist nur, dass das Reismehl vorher wirklich glatt gerührt wird. Sonst schwimmen am Ende kleine Klümpchen in der Suppe herum – nicht dramatisch, aber auch nicht gerade das, was man nach einem langen Arbeitstag als kulinarische Überraschung braucht.
Während die Suppe köchelt, darf sie leicht andicken. Sie soll aber keine Sauce werden. Die Nudeln nehmen beim Servieren noch etwas Flüssigkeit auf, deshalb ist eine eher suppige Konsistenz genau richtig. Falls sie nach der Kochzeit zu kräftig geworden ist, hilft ein kleiner Schluck heißes Wasser. Mit der Fischsauce würde ich dagegen erst einmal vorsichtig sein: Je nach Marke ist sie deutlich salziger, als man erwartet.
Welcher Fisch in die Mohingar-Suppe passt
Kabeljau ist für diese Suppe angenehm unkompliziert, weil er mild schmeckt und in der heißen Brühe schön zart wird. Rotbarsch funktioniert ebenfalls gut, Wels bringt etwas mehr Eigenaroma mit. Ich nehme meist das Filet, das an der Fischtheke frisch und gut aussieht – das klingt banal, ist bei Fisch aber wirklich die halbe Miete.
Die Stücke sollten nicht zu klein geschnitten werden. Sie dürfen beim kurzen Köcheln ruhig noch als Fisch erkennbar bleiben und nicht komplett zerfallen. Zehn Minuten reichen in der Regel aus, solange die Stücke nicht besonders dick sind. Wer sehr empfindlichen Fisch verwendet, kann den Herd nach dem Aufkochen auch etwas früher herunterdrehen. Die Suppe soll nur leise blubbern, nicht wild vor sich hin kochen wie der Inn nach einem ordentlichen Regentag.
Reisnudeln getrennt garen – das spart Ärger in der Schüssel
Die dünnen Reisnudeln bereite ich immer separat nach Packungsangabe zu und verteile sie erst danach auf die Schüsseln. Das hat einen ganz praktischen Grund: Bleiben sie in der Suppe, saugen sie sich schnell voll und machen aus der schönen Brühe eine eher dicke Angelegenheit. Außerdem kann jeder selbst entscheiden, wie viel Nudel er möchte. Thomas nimmt ordentlich, ich etwas weniger, und Jonas behauptet, Nudeln seien eigentlich das Wichtigste an der ganzen Suppe. Mit zehn Jahren hat man da offenbar klare Prioritäten.
Reste lassen sich gut aufheben, wenn Nudeln und Suppe getrennt im Kühlschrank stehen. Die Brühe wird beim Abkühlen noch etwas fester; beim Erwärmen genügt meist ein Schluck Wasser. Frisch serviert schmeckt Mohingar allerdings am schönsten: heiße gelbe Brühe, weiche Reisnudeln und zarter Fisch, dazu dieser Duft von Ingwer und Zitronengras, der die Küche sofort ein kleines Stück weiter weg trägt als bis zur österreichischen Grenze.
Mohingar (Fischsuppe mit Nudeln)
Zutaten
- 3 El Speiseöl
- 1 Zwiebel fein gehackt
- 4 Knoblauchzehen zerdrückt
- 2,5 cm Stück frischer Ingwer gerieben
- 1 Stängel Zitronengras sehr fein gehackt
- 1 Tl Chilipulver
- 1 Tl Kurkuma
- 1,5 l Wasser
- 2 kleine Zwiebeln geviertelt
- 90 ml Fischsauce
- 4 El Reismehl mit etwas kaltem Wasser angerührt
- 450 gr. Fischfilet Kabeljau, Rotbarsch, Wels, o.ä.
- 450 gr. Dünne Reisnudeln
Und so wird's gemacht:
- Öl in einer Pfanne erhitzen. Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Zitronengras, Chilipulver und Kurkuma zugeben und darin unter rühren anschwitzen, bis die Zwiebeln glasig sind.
- Wasser, Fischsauce, geviertelte Zwiebeln und das aufgelöste Reismehl zugeben und gut umrühren. Unter Rühren aufkochen, bis die Suppe eingedickt ist. Auf kleiner Flamme 20 Minuten köcheln lassen. Dabei gelegentlich umrühren.
- Fisch in Stücke schneiden und in die Suppe geben. Umrühren und weitere 10 Minuten köcheln lassen. In der Zwischenzeit die Reisnudeln nach Packungsangabe zubereiten.
- Die Nudeln in Suppenschüsseln verteilen und mit der heißen Suppe begießen.
Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.
