Borschtsch

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Ein Suppentopf voller Geschichte
Borschtsch ist für mich untrennbar mit meiner Studienzeit verbunden. Damals habe ich mir abends gern Reportagen angeschaut, vor allem solche über Länder, die mir fremd waren und gleichzeitig seltsam vertraut wirkten. Eine davon handelte von Alltagsküche in osteuropäischen Familien. Immer wieder tauchte dieser tiefrote Suppentopf auf, dampfend, schwer, fast ehrfürchtig behandelt. Borschtsch war dort kein Trendgericht, sondern Alltag, Erinnerung und Identität in einem.
Eine Suppe, viele Varianten
Je mehr ich mich später mit dem Thema beschäftigt habe, desto klarer wurde mir: Den einen Borschtsch gibt es nicht. In der Küche von Russland, aber auch weit darüber hinaus, hat jede Familie ihre eigene Version. Mal mit mehr Fleisch, mal fast vegetarisch, mal süßer, mal deutlich säuerlicher. Das hat mich sofort beruhigt. Ich mag helfen, aber ich mag keine Dogmen in der Küche. Diese Suppe erlaubt Spielraum, und das passt gut zu mir.
Wenn der Topf den Takt vorgibt
Borschtsch ist nichts für „schnell mal nebenbei“. Wenn ich ihn koche, weiß ich vorher, dass der Topf den Takt vorgibt. Erst die Brühe, dann das Gemüse, dann wieder warten. Genau das mag ich. Während die Suppe leise vor sich hin köchelt, sortiere ich Fotos für meine Webseite oder sitze mit einer Tasse Tee am Küchentisch. Es ist fast meditativ, und der Duft von Roter Bete und Lorbeerblatt legt sich langsam über alles.
Familienreaktionen zwischen Neugier und Skepsis
Beim ersten Mal war die Begeisterung überschaubar. Thomas fand die Farbe „interessant“, Lena fragte, ob das wirklich Suppe sei, und Jonas wollte wissen, ob man die saure Sahne auch weglassen könne. Inzwischen gehört Borschtsch zu den Gerichten, die akzeptiert sind. Kein Favorit, aber eines von denen, bei denen niemand meckert. Und das ist im Familienalltag manchmal schon Lob genug.
Mehr als nur eine Suppe
Was mich an Borschtsch immer wieder fasziniert, ist seine Tiefe. Geschmacklich, aber auch kulturell. Er wirkt einfach, fast rustikal, und ist doch komplex. Süße, Säure, Erde, Frische – alles in einem Teller. Für mich ist das eine Suppe, die nicht beeindrucken will, sondern erzählt. Von langen Wintern, von vollen Töpfen und davon, wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen. Genau deshalb koche ich sie immer wieder.
Borschtsch
Zutaten
- 400 g Rinderbrust
- 1 Möhre
- 200 g Weißkohl
- 2 Tomaten
- 4 TL saure Sahne
- 1/2 Bund Dill
- 1 große Rote Bete
- 1 Zwiebel
- 300 g Kartoffeln
- 2 EL Butter
- 1 EL Essig
- 1 EL Zucker
- 1 Lorbeerblatt
- schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Und so wird's gemacht:
- Das Fleisch waschen, trockentupfen und in 2 Ltr. Wasser mit Salz bei schwacher Hitze aufkochen. Den Schaum abschöpfen, bei mittlerer Hitze etwa 2 Stunden ziehen lassen. Das Fleisch herausnehmen.
- Die rote Bete, die Möhre und die Zwiebel schälen und in Würfel schneiden. Den Weißkohl putzen und in dünne Streifen schneiden. Die Butter erhitzen und das Gemüse darin dünsten. Etwa 1/8 l Brühe dazugeben und alles etwa 10 Minuten bei schwacher Hitze kochen. Den Essig, den Zucker, die geschälten und in Scheiben geschnittenen Kartoffeln und das Lorbeerblatt hinzufügen. Die restliche Brühe durch ein Sieb dazugießen und alles etwa 30 bis 40 Minuten kochen.
- Die Tomaten mit heißem Wasser überbrühen, häuten und klein schneiden, Dill zum Borschtsch geben und mit Salz und Pfeffer würzen. Das Fleisch kleinschneiden und ebenfalls zur Suppe geben. Den Borschtsch in die Teller füllen und je einen Löffel saure Sahne in die Mitte geben.
- Dazu reicht man Toast oder Weißbrot.
Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.
