Mädchenröte

Mädchenröte

Ein Dessert aus alten Küchen

Mädchenröte ist eines dieser Desserts, die man kaum noch auf Speisekarten findet. Als ich das Rezept wieder in die Hände bekam, hatte ich sofort Bilder von alten Kochbüchern im Kopf, vergilbtes Papier, handschriftliche Notizen am Rand. Meine Großmutter hatte so ein Buch, und auch wenn sie dieses Dessert selbst nie gemacht hat, passt es für mich genau in diese Zeit. Es ist schlicht, süß und ein bisschen aus der Mode geraten – und vielleicht gerade deshalb so reizvoll.


Erinnerungen an rote Sommer

Rote Johannisbeeren gehören für mich untrennbar zum Sommer meiner Kindheit. Sie wuchsen im Garten meiner Tante, dicht an dicht an niedrigen Sträuchern. Beim Pflücken waren die Finger schnell klebrig, und ein Teil der Beeren landete immer direkt im Mund. Ihr Geschmack war nie nur süß, sondern immer auch säuerlich, fast streng. Genau dieses Spannungsfeld macht Mädchenröte aus. Der intensive rote Saft sorgt nicht nur für Farbe, sondern auch für diesen klaren, frischen Geschmack, der das Dessert leicht wirken lässt, obwohl es eigentlich recht üppig ist.

Mädchenröte in Schleswig-Holstein

In der traditionellen Küche Schleswig-Holsteins spielten einfache, gut verfügbare Zutaten lange eine große Rolle. Johannisbeeren waren weit verbreitet, ebenso Eier und Zucker. Mädchenröte ist ein typisches Beispiel für ein Gericht, das ohne exotische Zutaten auskommt und dennoch Eindruck macht. Die luftige Konsistenz aus Eiweiß und Gelatine erinnert an Schaumspeisen, die früher gerne zu besonderen Anlässen serviert wurden. Der Name ist heute vielleicht erklärungsbedürftig, war aber damals Ausdruck für Farbe und Zartheit.

Johannisbeeren als Hauptzutat

Rote Johannisbeeren wurden in Norddeutschland traditionell nicht nur frisch gegessen, sondern vor allem zu Saft, Gelee und Desserts verarbeitet. Ihr hoher Säuregehalt machte sie ideal für Süßspeisen, die sonst schnell schwer wirken würden. In Mädchenröte sorgen sie dafür, dass der viele Zucker ausbalanciert wird. Gleichzeitig liefert der Saft die kräftige Farbe, die dem Dessert seinen Namen gegeben hat.

Warum solche Rezepte bleiben sollten

Wenn ich Mädchenröte zubereite, habe ich das Gefühl, ein kleines Stück kulinarischer Geschichte festzuhalten. Es ist kein modernes Dessert, nichts Filigranes oder Trendiges. Aber genau darin liegt sein Wert. Solche Rezepte erzählen vom Alltag früherer Generationen und von einer Küche, die mit wenigen Mitteln auskam. Gerade deshalb verdienen sie einen Platz in der heutigen Küche – vielleicht nicht jeden Tag, aber immer dann, wenn Lust auf etwas Nostalgie besteht.

mädchenröte

Mädchenröte

Ein traditionelles, heute jedoch beinahe in Vergessenheit geratenes Dessert aus der Schleswig-Holsteiner Küche. 

Zutaten
  

  • 1/2 Liter roter Johannisbeersaft
  • 400 g Zucker
  • 5 Eiweiß
  • 12 Blatt Gelatine
  • Salz

Und so wird's gemacht:
 

  • Eine ausreichend große Keramik- oder Glasschüssel im Kühlschrank kühlstellen.
  • Eiweiß mit einer Prise Salz mit dem Rührgerät zu steifem Schnee schlagen. Dabei nach und nach abwechselnd den Zucker und den Johannisbeersaft zugeben. Etwa eine halbe Tasse Saft zurückhalten.
  • Den restlichen Saft aufkochen. Die Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Dann ausdrücken und im heißen Johannisbeersaft unter Rühren vollständig auflösen. Den heißen Saft vorsichtig und langsam in die Schaummasse einrühren. Dabei stetig rühren und darauf achten, dass der Eischnee durch den heißen Saft nicht zusammenfällt.
  • Die Masse in die vorgekühlte Schüssel geben, abdecken und mehrere Stunden im Kühlschrank kaltstellen, bis die Masse fest ist.
  • Mit kalter Vanillesauce servieren. 

Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.