Karibisches Huhn

Karibisches Huhn

Es gibt Gerichte, bei denen schon die Zutatenliste nach Wärme und Ferne klingt. Karibisches Huhn ist für mich so ein Fall. Allein das Zusammenspiel aus Zitrusfrüchten, Gewürzen und reifem Obst erzeugt Bilder im Kopf, noch bevor der Ofen überhaupt an ist. Es erinnert mich an diese seltenen Tage, an denen Kochen mehr ist als Routine, sondern eine kleine Reise, die in der eigenen Küche beginnt.


Jamaika auf dem Teller

Die jamaikanische Küche ist geprägt von Einflüssen aus Afrika, Europa und Asien. Genau diese Mischung spiegelt sich auch in diesem Gericht wider. Fruchtige Süße, deutliche Schärfe und warme Gewürze stehen gleichberechtigt nebeneinander. Essen ist hier nie zurückhaltend, sondern selbstbewusst, aromatisch und oft überraschend komplex. Karibisches Huhn ist kein leises Gericht, sondern eines, das Präsenz zeigt.

Zitrusfrüchte als Fundament

Orangen und Limetten spielen in diesem Rezept eine zentrale Rolle. Ihr Saft bildet die Basis der Marinade und sorgt für Frische und Säure. Gleichzeitig machen sie das Fleisch zart. In Kombination mit Apfelsaft entsteht eine fruchtige Tiefe, die nicht süßlich wirkt, sondern ausgewogen. Zitrusfrüchte sind in der karibischen Küche allgegenwärtig und bringen Leichtigkeit in oft sehr würzige Gerichte.

Gewürze mit Wärme und Charakter

Piment, Zimt und verschiedene Pfeffersorten sind typisch für Jamaika. Besonders Piment, auch als Nelkenpfeffer bekannt, gilt als eines der Schlüsselgewürze der Region. Er verbindet Aromen von Nelke, Muskat und Zimt in sich und passt hervorragend zu Geflügel. Die Schärfe der Chilis wird hier nicht aggressiv eingesetzt, sondern eingebettet. Sie wärmt, ohne zu dominieren.

Frucht trifft Fleisch

Mango und Ananas sind mehr als Beilage. Sie sind Teil der Sauce und damit Teil des gesamten Geschmacksbildes. Ihre Süße fängt die Schärfe auf, ihre Säure ergänzt die Zitrusnoten. Gleichzeitig bringen sie Textur. In der jamaikanischen Küche ist diese Verbindung von Fleisch und Frucht nichts Ungewöhnliches, sondern Ausdruck eines selbstverständlichen Umgangs mit Kontrasten.

Geduld als Zutat

Dieses Gericht lebt von Zeit. Die lange Marinade ist entscheidend, damit sich die Aromen tief ins Fleisch ziehen können. Auch das regelmäßige Begießen im Ofen gehört dazu. Am Ende steht kein rustikales Alltagsgericht, sondern ein Essen, das sich bewusst Zeit nimmt und diese auch einfordert.

Karibisches Huhn ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie vielschichtig die Küche Jamaikas ist. Kräftig, fruchtig, würzig – und dabei erstaunlich ausgewogen. Ein Gericht, das nicht nur satt macht, sondern im Kopf noch eine Weile nachklingt.

Karibisches Huhn

Karibisches Huhn

Gericht Hauptgänge
Küche Jamaika
Portionen 4 Portionen

Zutaten
  

  • 4 Chilischoten rot
  • 2 TL Speisestärke
  • 1 TL Tabasco
  • 400 ml Geflügelfond
  • Salz
  • 2 küchenfertige Poularden à ca. 1 4 kg
  • 1 reife mittelgroße Mango
  • 1 reife mittelgroße Ananas
  • 40 g fermentierte schwarze Bohnen
  • 4 EL süß-scharfe Chilisauce
  • 1/2 TL Piment
  • 1 TL Zimt
  • 2 TL rosa Pfefferkörner
  • 3 TL eingelegte grüne Pfefferkörner
  • 5 unbehandelte Saftorangen
  • 1 Limette
  • 125 ml naturtrüber Apfelsaft

Uns so wird's gemacht:
 

  • Für die Marinade Chilischoten entkernen, fein würfeln. Schale der Limette und 2 Orangen dünn abreiben. Alle Orangen und Limetten auspressen, 3/8 l Saft abmessen. Chiliwürfel, Zitrusfrüchtesaft und -schale in eine Schüssel geben. Grüne Pfefferkörner im Sieb abspülen, zerstoßen, rosa Pfefferkörner ebenfalls zerstoßen. Beide Pfeffersorten, Zimt, Piment und Chilisauce zur Saftmischung geben und gut verrühren. 20 g Bohnen hinzufügen.
  • Ananas-Schopf, Stiel u Schale abschneiden, in 2 cm dicke Scheiben schneiden, Mittelteile ausstechen, die dekorativsten Scheiben halbieren, abgedeckt kühlen. Den Rest der Ananas kleinwürfeln und beiseite stellen. Mangos schälen, Fruchtfleisch in dicken Scheiben vom Stein lösen. Ebenso 6 schöne Scheiben abgedeckt kühl stellen. Rest kleinwürfeln und zur Seite stellen.
  • Poularden halbieren, Flügel abtrennen, Bürzel entfernen. Die Hälfte der Marinade in eine große flache Schüssel gießen, Poulardenteile nebeneinander mit der Hautseite nach oben hinein legen und die restliche Marinade darüber gießen. Abgedeckt 8 Std. (besser über Nacht) marinieren, dabei ein Mal wenden.
  • Den Ofen vorheizen. Die Hälfte der Marinade in die Saftpfanne gießen, Fleischteile mit der Hautseite nach oben nebeneinander hineinlegen, leicht salzen, mit der restlichen Marinade begießen.
  • Auf der 2. Einschubleiste von unten 45?50 Min. bei 200º garen (Gas 3, Umluft 45 Min. bei 180º). Mehrmals mit Marinade aus der Saftpfanne begießen. Nach Ende der Garzeit Poulardenteile auf eine Platte legen. Im ausgeschalteten Ofen mit Alufolie bedeckt warm halten.
  • Röststoffe mit Geflügelfond lösen, sieben, aufkochen, evtl. entfetten. Restliche Bohnen in die Sauce geben, mit Salz und Tabasco abschmecken. Speisestärke mit Apfelsaft anrühren, die Sauce damit binden. Ananas- und Mangowürfel in der Sauce erhitzen.
  • Poulardenteile zerteilt mit Ananas- und Mangoscheiben anrichten. Die Sauce extra dazu servieren.

Bitte beachten Sie: Angezeigte Bilder und/oder Videos der Gerichte sind KI-generiert und können vom Aussehen des tatsächlich gekochten Gerichts abweichen.